
Hallo Susanne!
Nun muss ich Dir doch mal wieder von meinem Leben bei Sonja erzählen. Wir verstehen uns echt gut, und Sonja muss fast nie mit mir schimpfen. Wenn sie es mal tut, dann hör ich das gar nicht gern, denn ihre fröhliche Stimme kann dann schon sehr streng klingen. Also benehme ich mich meistens recht ordentlich.
Vorgestern haben wir beide einen langen Spaziergang durch Wald und Feld gemacht. Ich lief frei, Sonja hörte meinem Gebimmel und Geschnupper zu und ließ dabei ihre Gedanken fliegen. Ich weiß nicht woran sie dachte, aber plötzlich wurde ihr Stocklaufen unsicher und eirig. Dann blieb sie stehen und hatte keinen Plan mehr. Sie tat das einzig Richtige, denn sie rief mich und zog mir das Geschirr an. Dann sagte sie: "Baxter, Avanti Casa". Wir waren ja doch ein ganzes Stück von unserem Casa entfernt. Also fackelte ich nicht lange und führte sie auf einen Weg, der mir gut gefiel. Wir gingen flott durch den ziemlich matschigen Wald. Sonja merkte bald, dass wir dort vorher nicht gegangen waren, aber sie vertraute mir und ging einfach mit. Schließlich bog ich nach "destra" ab und Sonja machte einen kleinen Freudenjuchzer. Sie kannte sich plötzlich wieder aus. Für mich gab es dann ein dickes Lob mit Leckerli, und ich durfte noch ein ganzes Stück freilaufen. Auf dieser Strecke trafen wir sogar noch ein tolles Hundemädel zum Spielen. Die letzten Meter bis "Casa" führte ich Sonja dann wieder, und wir kamen zufrieden und dreckig zuhause an. Das hab ich doch klasse gemacht, oder???
In der letzten Woche habe ich Sonja in der U-Bahn in Verlegenheit gebracht. Du musst wissen, dass ich U-Bahn-Fahren manchmal ziemlich langweilig finde. Sonja setzte Kopfhörer auf, ich saß brav zu ihren Füßen, hatte aber meinen Kopf auf dem Schoß des Mannes, der gegenüber saß. Dieser fand das süß und streichelte mich. Sonja war in einen spannenden Krimi vertieft. Dann wurde sie von einer Arbeitskollegin begrüßt, und die beiden quatschten. Da sagte die Kollegin plötzlich: "Ah Sonja, das ist dein Partner, dein Hund gibt mir die Antwort.". Sonja verstand zunächst nicht. Da sagte der Mann, auf dessen Schoß ich immer noch meinen schweren Kopf abgelegt hatte: "Noi, Noi, mir g'herad net zamma", Übersetzung. "Wir gehören nicht zusammen". Da wachte Sonja auf, entschuldigte sich für mich und sagte: "A Terra" zu mir. Irgendwie war ihr die Situation peinlich, aber zum Schluss lachten alle 3 darüber. Der Mann war echt nett, aber ich glaube, ich habe seine Hose ein wenig vollgesabbert. Seit dem paßt Sonja in der U-Bahn gut auf meinen Kopf auf.
Ich könnte noch mehr erzählen, aber du hast ja noch so viel anderes, was du lesen mußt. Also höre ich für heute auf und wünsche Dir und Deinen Azubis einen schönen Restsonntag.
Liebe Grüße kommen von Baxter, Sonja und Hartmut
P. S. Wie geht es denn Juna, meiner Schwester? Macht sie sich gut?
Ich würde sie gern mal treffen und ihr ein paar brüderliche Ratschläge verpassen.