Für eine zunehmende Zahl blinder und stark sehbehinderter Menschen ist der Führhund als Hilfe zur Fortbewegung und Mobilität im Alltag das Hilfsmittel der Wahl.

Ein gut funktionierendes, harmonisches Führgespann vermittelt einen faszinierenden Eindruck von Dynamik und Zusammenspiel. Jedoch gibt es leider auch immer wieder Fälle, wo der vierbeinige Führer zur Belastung wird, das Zusammenspiel nicht funktioniert oder eine Versorgung gänzlich scheitert.

Für Betroffene, die sich für dieses „Hilfsmittel mit Seele" interessieren, sollen hier einige Informationen zusammengestellt und Fragen beantwortet werden. Insbesondere möchten wir:

  • Unsere Führhundeschule sowie ihre zwei- und vierbeinigen Mitarbeiter vorstellen: s. Schule
  • Unsere Arbeitsgrundsätze und Ausbildungsmethoden beschreiben: s.a. Hunde, Werdegang und Trainerfortbildung
  • Fortlaufend Informationen über das aktuelle Geschehen und Neuerungen an der Führhundeschule bereitstellen: s. Neuigkeiten

Führhund-Interessenten sind nach telefonischer Absprache zu einem persönlichen Besuch an der Schule herzlich eingeladen.

 

Weiterführende Fragen

Was ist ein Blindenführhund?

Welche Rassen können als Führhund ausgebildet werden?

Wie lange arbeitet ein Blindenführhund?

Wie bekommt man einen Blindenführhund?

Worauf sollte man bei der Wahl der Schule achten?

 

Was ist ein Blindenführhund?

Mit dem Führhund auf Reisenmit dem Führhund auf dem Markttäglicher Freilauf mit Artgenossenauch Spielen gehört dazukuscheln muss auch mal sein

Mit einem gut ausgebildeten Blindenführhund soll sich der Führhundehalter sicher und zügig in vertrauter und auch in fremder Umgebung fortbewegen können. Der Führhund soll gelernt haben, auf Hörzeichen geradeaus, links und rechts zu gehen und stehen zu bleiben. Er soll sich nicht ablenken lassen von Gerüchen, Geräuschen, Artgenossen und anderen Tieren.

Eine eingeschlagene Richtung soll der Führhund so lange beibehalten, wie es die Umgebung erlaubt, beziehungsweise bis der Führhundehalter eine Richtungsänderung vorgibt. Dies ist für die Orientierung des Blinden eine sehr große Hilfe. Trotzdem muss der Führhundehalter die Wegbeschreibung im Kopf haben, damit er seinem Hund die richtigen Hörzeichen geben kann.

Der Führhund soll alle Arten von Hindernissen, gegen die der Blinde stoßen könnte, anzeigen und umgehen. Diese können zum Beispiel unaufmerksame Fußgänger, herabhängende Markisen, Baustellen oder falsch geparkte Autos sein. Durch die zuverlässige Hindernisumgehung wird die Fortbewegung im Vergleich zum Gehen mit dem Langstock entspannter und stressfreier. An Querstraßen, Treppen und Bahnsteigkanten muss der Blindenführhund zuverlässig stehen bleiben oder sich querstellen.

Die Fähigkeit des Führhundes, bestimmte Ziele ausfindig zu machen und anzusteuern wird von den Führhundehaltern sehr geschätzt. Wichtige Nahziele sind Zebrastreifen, Ampeln, Türen, Treppen, Aufzüge, Briefkästen, Verkehrsmittel oder ein freier Platz im Restaurant. Das Zurückführen nach Hause beziehungsweise zum Ausgangspunkt auf Hörzeichen hat schon so manchen Führhundehalter wieder aus einer schwierigen Situation herausgebracht.

Grundsätzlich ist Führarbeit in aller erster Linie Teamarbeit. Dies erfordert von Hund und Halter Sensibilität, Konzentration und Selbstvertrauen. Der Führhund ist kein Computer, der während der Ausbildung programmiert und dessen Software dann im Einführungslehrgang nur noch auf den Halter eingestellt wurde.

Dies bedeutet, dass auch von Seiten des Führhundehalters einige physische und psychische Grundvoraussetzungen, sowie gewisse Lebensumstände gegeben sein müssen:

  • Damit ein Hund auf Dauer gerne und willig arbeitet, braucht er positive Rückmeldung und Lob vom Halter.
  • Damit der Hund konsequent arbeitet, muss der Halter seinerseits konsequent sein.
  • Damit der Hund konzentriert bleibt, muss der Halter sich auch selbst konzentrieren und fähig sein, Konzentrationsmängel wahrzunehmen und entsprechend zu handeln, sei es durch Korrektur, Lob oder Unterstützung.
  • Nur wenn der Führhundhalter bereit ist, dem Hund sein Leben lang ein stabiles Rudel zu bieten, in dem er sich geborgen fühlt und seinen festen Platz hat, kann das Gespann auf Dauer wirklich harmonieren.

Es kann nicht oft genug betont werden, dass der Blindenführhund ein ganz wunderbares Hilfsmittel ist - aber beileibe nicht für jeden blinden Menschen.

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Welche Rassen können als Führhund ausgebildet werden?

Auch Australian Sepherd werden gelegentlich ausgebildet.Drei Hunderassen haben sich weltweit betrachtet als besonders geeignet für die Arbeit des Blindenführers erwiesen:

  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Deutscher Schäferhund

Gelegentlich werden auch andere Rassen ausgebildet - zum Beispiel Königspudel, Riesenschnauzer, Airdale Terrier sowie weitere Retriever- und Hütehundrassen.

Auch Mischlingshunde können sich eignen. So wird an vielen großen Führhundeschulen gezielt die Kreuzung von Labrador und Golden Retrieverfür die Ausbildung gezüchtet. Einige Schulen bilden verschiedene Hunderassen aus und versuchen, die speziellen Vorlieben ihrer Interessenten zu berücksichtigen. Ganz bewusst werden zum Teil auch Rassen ganz verschiedener Herkunft gekreuzt, um Führhunde mit einer besonders geeigneten Kombination an Verhaltensmerkmalen zu erhalten, zum Beispiel die Kreuzung aus Schäferhund und Golden Retriever, Pudel und Retriever oder Border Collie und Retriever.

Wichtiger als die Wahl einer bestimmten Rasse ist jedoch, die speziellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des zukünftigen Halters bei der Zuteilung eines bestimmten Hundeindividuums zu berücksichtigen.

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Wie lange arbeitet ein Blindenführhund?

älterer LabradorAm Ende der Ausbildung ist der Blindenführhund in der Regel etwa zwei Jahre alt. Einzelne Hundeindividuen arbeiten, bis sie zwölf oder dreizehn Jahre alt sind. Die durchschnittliche Führdauer liegt jedoch bei sieben bis acht Jahren. Dann lassen Konzentration und Ausdauer oft so nach, dass der Hund pensioniert werden sollte. Manche Hunde erkranken an Krebs oder bekommen Gelenkbeschwerden im Alter.

Aber auch der junge Hund kann erkranken und vorübergehend Pflege benötigen und als Hilfsmittel ausfallen. Wer mit der Anschaffung eines Blindenführhundes liebäugelt, sollte sich auch darüber einige Gedanken machen.

Viele Führhundehalter haben Probleme damit, den geliebten Hund wieder abzugeben und nehmen lieber eine vorübergehende Einschränkung ihrer Mobilität in Kauf. Nicht alle haben Familie oder Freunde, die den alt gewordenen Führhund übernehmen können, ohne dass man ihn ganz 'aus den Augen verliert'. Wir unterstützen selbstverständlich unsere Führhundehalter, in solch einer Situation ein neues Zuhause für den alt gewordenen Lebenspartner zu finden.

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Wie bekommt man einen Blindenführhund?

Königspudel auf der FührhundsucheDer Blindenführhund ist in Deutschland rechtlich gesehen ein Hilfsmittel, ähnlich wie ein Rollstuhl. Als solches muss er von den meisten Krankenkassen finanziert werden, sofern vom Arzt ein Rezept vorliegt und die Möglichkeiten zur Haltung und Nutzung des Hundes vorhanden sind.

Wer sich um einen Blindenführhund bemühen möchte, benötigt also als erstes eine Verschreibung von seinem Augenarzt. Zusammen mit dem Kostenvoranschlag der gewählten Führhundeschule reicht er diese bei seiner Krankenkasse ein und beantragt die Versorgung mit einem Blindenführhund. Es empfiehlt sich, die individuelle Notwendigkeit der Versorgung im Antrag ausführlich darzulegen und die Wahl einer bestimmten Führhundeschule zu begründen, da die Krankenkassen immer häufiger versuchen, eine Versorgung abzulehnen oder den Versicherten an eine andere (billigere) Schule zu verweisen. In manchen Fällen sind auch die Berufsgenossenschaften die zuständigen Kostenträger.

Die Schulung im Gebrauch des Blindenführhundes als neues Hilfsmittels erfolgt im Rahmen eines Einführungslehrganges, der cirka drei Wochen dauert. Der Lehrgang sollte mindestens zur Hälfte am Wohnort des Halters stattfinden, damit die wichtigsten Wegstrecken des Führhundhalters sicher eingeübt werden können. Gerade in den ersten Wochen empfiehlt es sich, mit dem Hund in gut vertrauter Umgebung zu arbeiten, um das konsequente schulmäßige Arbeiten des Hundes zu erhalten.

Am Ende des Lehrgangs, beziehungsweise nach Ablauf einiger Wochen, sollte im Rahmen einer Gespannprüfung die sichere Gespannzusammenarbeit überprüft werden. Zu dieser Prüfung sind die Kassen rechtlich verpflichtet, jedoch wird aus Kostengründen oft darauf verzichtet, was vielen Billigschulen ihr unseriöses Arbeiten erst ermöglicht.

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Worauf sollte man bei der Wahl der Schule achten?

Im Gegensatz zum Ausland, wo die Führhundeschulen in der Regel als Stiftungen oder Vereine betrieben werden und durch Spendengelder finanziert werden, wird die Führhundeausbildung in Deutschland als Gewerbe betrieben. Da der Beruf des Führhundeausbilders kein anerkannter Beruf ist und bei Eröffnung einer Schule keinerlei Qualifikation nachgewiesen werden muss, sieht sich der zukünftige Führhundehalter mit einer immer unübersichtlicher werdenden Vielzahl an Ausbildern und Schulen unterschiedlichster Qualität konfrontiert.

Um an eine seriöse Führhundeschule zu kommen, sollte man sich also unbedingt im Vorfeld gut informieren. Beratung gibt es zum Beispiel beim Arbeitskreis der Blindenführhundhalter im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband oder beim Verein Lichtblicke.

Man sollte sich auch die Mühe machen, mehrere Schulen zu besuchen. Im Gespräch mit dem Schulleiter oder Ausbilder sowie bei einem Probelauf mit einem Hund in der Ausbildung findet man am besten heraus, ob man sich bei einer Schule gut aufgehoben fühlen kann.

Logo der International Guide Dog FederationIn der International Guide Dog Federation sind Führhundeschulen aus der ganzen Welt zusammengefasst. Im Gegensatz zum europäischen und außereuropäischen Ausland, wo inzwischen so gut wie jede anerkannte Schule Mitglied ist, gibt es in Deutschland nur drei Mitgliedschulen, die sich verpflichtet haben, nach den einheitlichen internationalen Standards zu arbeiten. Alle Mitglieder werden im fünfjährigen Turnus einer umfassenden Betriebsprüfung unterzogen und profitieren von den alle zwei Jahre stattfindenden Fortbildungsseminaren. Die Mitgliedschulen unterstützen sich auch gegenseitig durch Austausch von Welpen, Zuchthunden und Auszubildenden.

 

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